Wenn man Shows annimmt, die man eigentlich nicht annehmen würde
Ich bin kein Hip-Hop-Mensch.
Das ist jetzt nicht böse gemeint. 😄
Ich höre ihn nicht besonders viel, ich arbeite normalerweise eher in anderen musikalischen Welten und wenn ich mir eine Showfile baue, dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass irgendwo Rock, EDM oder irgendetwas mit ordentlich Druck drinsteckt.
Und dann kommt ein Freund und fragt:
„Kannst du unsere Show machen?“
Eigentlich wäre die Antwort vermutlich ein höfliches „Diesmal leider nicht“.
Aber es sind Freunde. Also: Ja.
Und plötzlich sitzt man beim Hip-Hop am Pult

Und plötzlich ist das Ganze eine völlig andere Nummer als noch bei der Probe.
Die interessante Seite solcher Shows beginnt für mich eigentlich schon vor der Show. Man kennt die Leute. Man spricht miteinander. Man probiert Dinge aus. Künstler und Technik arbeiten sich gemeinsam an das heran, was später auf der Bühne funktionieren soll. Und genau das macht für mich einen großen Teil einer guten Show aus. Nicht nur:
Künstler auf die Bühne → Technik macht Licht.
Sondern:
Künstler und Technik arbeiten zusammen.
Man merkt irgendwann, welche Bewegungen kommen, wo ein Break sitzt, wann Energie aufgebaut wird und wann man besser einfach mal nichts macht. Und dann kommt der Abend.
Publikum da.
Musik an.
20 Prozent mehr
Nach der Show kam vom Künstler sinngemäß die Aussage:
„Wir haben heute bestimmt 20 Prozent mehr gegeben als bei der Probe.“
Und ich glaube, das stimmt. Nicht, weil plötzlich jemand eine andere Show gelernt hätte. Sondern wegen des Publikums. Bei der Probe gibst du Energie in einen Raum, in dem vielleicht fünf Leute stehen. Bei der Show bekommst du diese Energie zurück.
Das Publikum reagiert auf den Künstler.
Der Künstler reagiert auf das Publikum.
Und als Technik sitzt du irgendwo dazwischen und reagierst wiederum auf das, was auf der Bühne passiert.
Das ist einer dieser Momente, in denen man merkt, dass eine Live-Show eben nicht einfach eine abgespielte Abfolge von Programmpunkten ist. Sie entwickelt sich.
Und dann wird einfach abgerissen
Was die Sache für mich noch etwas lustiger macht: Ich bin mit einer Rock-/EDM-Busking-Showfile zu einem Hip-Hop-Event gefahren. Nicht unbedingt das offensichtlichste Match. 😄
Aber am Ende interessiert das Genre am Pult deutlich weniger, als man manchmal denkt.
Natürlich hat jede Musik ihre Eigenheiten. Aber wenn du deinen Job beherrschst, auf den Künstler hörst und auf das reagierst, was gerade auf der Bühne passiert, dann funktioniert Busking eben auch außerhalb der eigenen musikalischen Komfortzone. Und irgendwann sitzt du da, schaust auf die Bühne und denkst:
„Okay… das macht gerade verdammt viel Spaß.“
Und dann reißt du mit einer Showfile, die eigentlich für Rock und EDM gedacht war, einfach ein Hip-Hop-Show ab.

Warum man manche Shows trotzdem macht
Genau deshalb würde ich solche Shows auch nicht grundsätzlich nach dem Motto beurteilen:
„Lohnt sich das?“
Manchmal ist die Antwort wirtschaftlich vielleicht nicht besonders beeindruckend. Aber man arbeitet mit Menschen, die einem wichtig sind. Man erlebt eine Show gemeinsam. Man sieht, wie Künstler über sich hinauswachsen. Und manchmal sitzt man am Ende am Pult und merkt, dass man gerade eine richtig geile Show erlebt hat – obwohl man sie ursprünglich wahrscheinlich gar nicht angenommen hätte. Vielleicht sind genau das die Shows, die man später noch erzählt.
Nicht weil sie die größten waren.
Nicht weil die Technik am spektakulärsten war.
Sondern weil die richtigen Menschen zusammengekommen sind.
Und manchmal braucht es dafür eben nur einen Freund, einen Platz am Pult und eine völlig unpassende Showfile. 😄
Funfact am Rande: Wenn euch der Name T the Boss bekannt vorkommt – er hat unter anderem den Titelsong der Netflix-Serie „Capitani“ beigesteuert.
