Nur ein Konzert anschauen – Mission gescheitert.

Heute wird alles anders. Heute bin ich nicht der Lichttechniker. Heute muss ich keine Show fahren, keine Cues programmieren und keine Moving Heads ausrichten. Heute bin ich einfach nur Besucher.

Ein kaltes Getränk in der Hand, gute Musik auf der Bühne und endlich mal entspannen. Zumindest war das der Plan…

Denn irgendwo zwischen dem ersten Blick zur Traverse und dem Intro des ersten Songs übernimmt sie wieder – diese kleine Stimme im Hinterkopf. Die Stimme, die plötzlich wissen will, welche Konsole am FOH steht, ob das gerade Timecode ist und warum der eine Spot minimal schief hängt.

Willkommen in meinem Kopf.

19:57 Uhr

Schöne Traverse. Sauber gebaut.

20:03 Uhr

Das müssten Robes sein… oder doch Ayrtons?

20:06 Uhr

Der Spot links hängt minimal schief.

20:11 Uhr

Ah… das läuft auf Timecode.

20:18 Uhr

Der Hazer könnte ruhig etwas mehr Output haben.

20:24 Uhr

Respekt, den Effekt hat gerade jemand live übernommen.

20:37 Uhr

Das Followspot sitzt heute richtig gut.

20:43 Uhr

Moment… der Beam hinten links ist ausgefallen.

20:46 Uhr

Okay, jetzt wurde das Fixture deaktiviert.

20:58 Uhr

Der Sänger läuft wieder exakt auf seinen Marker. Definitiv programmiert.

21:07 Uhr

Wie viele DMX-Universes die wohl gerade verbraten?

21:19 Uhr

Das dürfte eine MA3 Full Size sein.

21:31 Uhr

Den Effekt muss ich mir merken.

21:44 Uhr

Der Farbwechsel gerade… richtig stark.

21:56 Uhr

Hoffentlich bleibt das Wetter stabil.

22:09 Uhr

Alter… was für ein Finale!

22:11 Uhr

…wie haben die das bitte gelöst?

Schlusswort

Und dann fragt dich jemand neben dir:

„Na, konntest du das Konzert genießen?“

Du antwortest:

„Ja.“

Was du nicht erwähnst:

  • Du hast die komplette Lampenliste erraten.
  • Den Timecode erkannt.
  • Drei Programmierfehler gefunden.
  • Die Rigging-Reihenfolge analysiert.
  • Überlegt, wie viele LKW wohl hinter der Produktion stecken.
  • Nebenbei trotzdem mitgesungen.

Denn genau das ist das Schöne an diesem Beruf: Man schaut nie wieder nur auf die Bühne. Man schaut hinter die Kulissen – selbst dann, wenn man einfach nur Zuschauer sein wollte.

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