RSS ist tot. Es lebe RSS.

Es gibt Technologien, die verschwinden irgendwann einfach.

Und dann gibt es Technologien, die irgendwie nie wirklich verschwinden, obwohl kaum noch jemand darüber spricht.

RSS gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.

Das kleine orange RSS-Symbol dürfte vielen noch bekannt vorkommen. Vielleicht aus den Anfangszeiten des Internets, vielleicht aus Blogs oder irgendwelchen Feedreadern, die man vor Jahren einmal benutzt hat.

Heute dagegen dominieren soziale Netzwerke, Newsletter, Push-Benachrichtigungen und personalisierte Feeds.

Und trotzdem gibt es RSS noch.

Mehr noch: Ich glaube, RSS passt erstaunlich gut in die heutige Zeit.

Das Internet hat sich verändert

Früher bin ich auf eine Webseite gegangen und habe nachgesehen, ob es etwas Neues gibt.

Dann kam RSS.

Ich habe einen Feed abonniert und bekam automatisch mit, wenn es neue Inhalte gab.

Eigentlich eine ziemlich simple Idee.

Heute funktioniert das Internet häufig anders.

Wir öffnen Instagram, Facebook, TikTok, YouTube oder irgendeine andere Plattform und bekommen einen Feed präsentiert. Ein Algorithmus entscheidet, welche Inhalte interessant sein könnten, was oben steht und was vielleicht überhaupt nicht bei uns auftaucht.

Das ist bequem.

Aber es bedeutet auch, dass ich nicht mehr unbedingt entscheide, was ich sehen möchte.

Der Algorithmus entscheidet mit.

RSS macht genau das Gegenteil

Ein RSS-Feed ist im Grunde ziemlich unspektakulär.

Ich entscheide mich für eine Webseite, die ich lesen möchte.

Ich abonniere ihren Feed.

Wenn dort ein neuer Beitrag erscheint, taucht er in meinem Feedreader auf.

Keine Likes.

Keine Follower.

Keine künstliche Reichweite.

Kein „Dieser Beitrag könnte dich interessieren“.

Und vor allem:

Kein Algorithmus, der entscheidet, ob ich den Beitrag überhaupt zu sehen bekomme.

Das finde ich bemerkenswert.

Denn eigentlich ist RSS damit fast schon ein Gegenentwurf zu einem großen Teil des heutigen Internets.

Warum hört man dann kaum noch davon?

Weil RSS nicht besonders gut darin ist, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Es gibt keine bunten Stories.

Keine Push-Nachricht mit „Du glaubst nicht, was als Nächstes passiert“.

Kein Infinite Scrolling.

Und RSS möchte auch nicht, dass man möglichst lange auf einer Plattform bleibt.

RSS macht etwas viel Langweiligeres:

Es liefert Inhalte.

Das war’s.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum es für viele Menschen heute gar nicht mehr präsent ist.

RSS braucht keine große Plattform.

Ein Blog kann einen Feed anbieten und jeder kann ihn abonnieren.

Das funktioniert unabhängig davon, ob der Blog 50 Leser oder 500.000 Leser hat.

RSS und Social Media müssen sich nicht ausschließen

Dabei geht es für mich auch gar nicht darum, Social Media abzuschaffen.

Social Media hat seine Berechtigung.

Gerade für Bilder, kurze Updates, Videos oder den direkten Austausch mit Menschen sind Plattformen wie Instagram & Co. unglaublich praktisch.

Aber ich möchte nicht davon abhängig sein.

Wenn ich einen Blog betreibe, möchte ich nicht darauf hoffen müssen, dass irgendein Algorithmus meinen neuen Artikel für interessant genug hält.

Ich möchte, dass jemand, der meine Beiträge lesen möchte, eine einfache Möglichkeit hat, sie auch tatsächlich zu bekommen.

Und genau dafür gibt es RSS.

Auch Bremer.lu hat einen Feed

Deshalb gibt es auch für Bremer.lu einen RSS-Feed.

Nicht, weil RSS gerade wieder ein großer Trend wäre.

Nicht, weil es besonders modern wäre.

Sondern weil es funktioniert.

Wer meine Beiträge regelmäßig lesen möchte, kann den Feed abonnieren und bekommt neue Artikel automatisch angezeigt.

Ganz ohne Social-Media-Algorithmus dazwischen.

Und vielleicht ist das sogar eine der sympathischsten Eigenschaften von RSS:

Der Leser entscheidet selbst, welche Inhalte er konsumieren möchte.

Vielleicht brauchen wir ein bisschen weniger Algorithmus

Wir leben inzwischen in einer Welt, in der uns Algorithmen an vielen Stellen das Leben erleichtern.

Sie sortieren Fotos.

Sie empfehlen Musik.

Sie schlagen Filme vor.

Sie bestimmen, welche Nachrichten wir sehen.

Und sie entscheiden mit, welche Beiträge von Freunden, Unternehmen oder Blogs in unserem Feed auftauchen.

Das ist praktisch.

Aber manchmal ist es auch schön, wenn eine Technologie einfach nur das tut, was man von ihr erwartet.

Eine Webseite veröffentlicht einen neuen Artikel.

Der Feed meldet:

Da ist etwas Neues.

Mehr muss es eigentlich nicht sein.

Vielleicht ist RSS deshalb gar keine Technologie von gestern.

Vielleicht ist RSS eine ziemlich gute Idee für das Internet von morgen.

RSS ist nicht tot.

Es ist nur leiser geworden.

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