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Wenn das Wetter zum Produktionsfaktor wird

Gefühlt brennt gerade halb Europa.

In Belgien kämpft man aktuell gegen den größten Waldbrand der Landesgeschichte, im Hohen Venn stehen rund 3.000 Hektar in Flammen. Rund 600 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, Einsatzkräfte aus mehreren Ländern sind im Einsatz. Gleichzeitig brennt es in Griechenland, Spanien, Frankreich und anderen Teilen Europas.

Und das ist nur das, was gerade in den Nachrichten auftaucht.

Natürlich gab es schon immer heiße Tage, Gewitter und Stürme. Aber inzwischen fühlt es sich manchmal an, als würde ein Wetterextrem die nächste jagen. Hitzewelle. Kurze Abkühlung. Nächste Hitzewelle. Dann Starkregen, Gewitter oder Sturm.

Ich bin im Eventbereich unterwegs. Ich sehe, wie Veranstaltungen wegen Unwetter unterbrochen oder abgesagt werden. Wie plötzlich nicht mehr die Frage im Raum steht, ob das Konzert vielleicht ein bisschen nass wird, sondern ob Besucher, Künstler und Crew noch sicher auf dem Gelände sein können. Schon im Juni wurden in Europa Festivals wegen heftiger Unwetter vorzeitig beendet.

Das gibt mir zu denken, denn eigentlich liebe ich Open Airs.

Ich mag diese Atmosphäre. Die Bühne unter freiem Himmel, der Sound, der sich über ein Gelände verteilt, die ersten Lichter, wenn es langsam dunkel wird. Dieses Gefühl, dass für ein paar Stunden etwas entsteht, das es genau so nur an diesem Ort und an diesem Abend gibt.

Aber genau dieses „unter freiem Himmel“ wird gerade zu einer interessanten Herausforderung.

Und deshalb möchte ich euch auf eine kleine Gedankenreise mitnehmen.

Nicht als Meteorologe. Nicht als Klimaforscher. Sondern aus der Sicht eines Menschen, der seit vielen Jahren im Eventbereich unterwegs ist und sich zunehmend fragt:

Was bedeutet es eigentlich für unsere Festivals, Konzerte und Open Airs, wenn das Wetter nicht mehr nur eine Variable in der Planung ist, sondern zum entscheidenden Faktor werden kann?

Wir bauen Bühnen. Wir stellen Traversen. Wir hängen Lautsprecher und LED-Wände auf. Wir verlegen kilometerweise Strom- und Netzwerkkabel. Wir stellen FOHs auf. Wir bringen Lichttechnik, Videotechnik und jede Menge empfindliche Elektronik auf ein Gelände, auf dem normalerweise Kühe stehen würden.

Dann kommen ein paar tausend Menschen dazu. Und über allem?

Der Himmel.

Der einzige Teil der Produktion, den wir nicht kontrollieren können. Und genau das ist irgendwie das Faszinierende an Open Airs. Wir planen wochen- oder monatelang jedes noch so kleine Detail.

  • Welche Lampe hängt wo?
  • Welches Kabel läuft wohin?
  • Wie viel Strom brauchen wir?
  • Wo steht der FOH?
  • Wie kommt das Netzwerk auf die Bühne?
  • Wie bekommen wir das alles wieder vom Gelände?
  • Wir planen wirklich alles.

Und dann schauen wir nach oben und sagen: „Na, wird schon.“ Und irgendwie hat das jahrzehntelang erstaunlich gut funktioniert. Ein bisschen Regen? Egal. Ein bisschen Wind? Wird schon. Gewitter? Wetter-App im Auge behalten. Und wenn es ganz schlimm kam, hatte man eben Pech. Aber in den letzten Jahren ertappe ich mich immer öfter bei dem Gedanken, dass sich etwas verändert. Nicht nur das Wetter.

Unsere gesamte Beziehung dazu.

Hitze sieht man einer Veranstaltung nicht an

Ein Festivalbesucher kommt vielleicht am Nachmittag. Die Crew steht da schon seit Stunden. Aufbau, Kabel, Technik, Soundcheck – und danach noch die Show und der Abbau. Bei 25 Grad ist das anstrengend. Bei 35 Grad wird es eine ganz andere Nummer. Und auch die Technik mag extreme Hitze nicht besonders. Elektronik, LED-Wände, Server, Netzwerkgeräte und Stromverteilungen müssen ebenfalls mit den Temperaturen klarkommen. Das bedeutet: Hitze ist irgendwann nicht mehr nur unangenehm. Sie wird zum Betriebsfaktor.

Und dann ist da noch das Gewitter

Ein Festival kann technisch perfekt geplant sein. Und trotzdem kann innerhalb von wenigen Minuten alles anders aussehen. Wind wird stärker. Blitze kommen näher. Starkregen zieht auf. Dann heißt es vielleicht:

  • Show unterbrechen.
  • Bühne räumen.
  • Publikum schützen.
  • Technik sichern.

Und irgendwann die Frage:

Geht es weiter oder nicht?

Für den Besucher ist das ärgerlich. Für den Veranstalter ist es eine Katastrophe. Für die Technik bedeutet es im besten Fall: kontrolliert abschalten. Und genau das wird meiner Meinung nach wichtiger werden.

Wir müssen früher wissen, was passiert

Ich komme aus einer technischen Welt, in der Monitoring ganz normal ist. Man wartet nicht darauf, dass etwas ausfällt. Man versucht vorher zu erkennen, dass sich ein Problem entwickelt. Und vielleicht wird diese Denkweise auch bei Open Airs wichtiger. Nicht nur:

„Wie wird das Wetter?“

Sondern:

„Was macht das Wetter gerade mit unserer Veranstaltung?“

Wie heiß ist es auf und hinter der Bühne? Wie entwickelt sich der Wind? Wo sammelt sich Wasser?

Wie stark wird die Technik belastet? Das muss kein futuristisches Kontrollzentrum sein. Manchmal reicht ein Sensor, eine Warnung und jemand, der rechtzeitig reagiert.

Vielleicht verändert sich die Open-Air-Saison

Ich glaube nicht, dass Festivals verschwinden. Das wäre auch schade. Aber vielleicht müssen wir irgendwann anders planen. Mehr Flexibilität. Bessere Wetterbeobachtung. Mehr Schutz für Besucher und Crew. Vielleicht andere Veranstaltungszeiten. Vielleicht sogar mehr Festivals im Frühjahr und Herbst und weniger im Hochsommer. Denn am Ende ist das Wetter kein Gegner, den wir besiegen können. Wir können nur lernen, besser damit umzugehen. Und vielleicht wird genau das eine der großen Herausforderungen für die Veranstaltungstechnik der nächsten Jahre:

Nicht nur eine großartige Show zu bauen.

Sondern eine Show, die auch mit einer immer unberechenbareren Umwelt umgehen kann. Denn wenn wir als Besucher irgendwann auf einem Festival stehen und plötzlich die Show unterbrochen wird, weil ein Unwetter aufzieht, sollten wir vielleicht nicht nur denken:

„So ein Mist.“

Sondern auch:

„Gut, dass sie rechtzeitig reagiert haben.“

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