Früher ging man auf Festivals, um Musik zu hören, Freunde zu treffen und am Sonntagmorgen nicht mehr genau zu wissen, wie man eigentlich ins Zelt gekommen ist. Heute geht man auf Festivals, um Content zu produzieren. Willkommen im Generationenkonflikt zwischen Millennials und Gen Z.
Der Millennial auf dem Festival

Der Millennial reist mit einer Bierkiste, einer viel zu kleinen Campingausrüstung und einer erstaunlich hohen Toleranz für schlechtes Wetter an.
Sein Ziel ist einfach: Eine gute Zeit haben.
Er steht vor der Bühne, feiert die Bands, singt die Songs mit und nimmt vielleicht drei verwackelte Fotos auf, die er sechs Monate später zufällig wiederfindet. Wenn ihn jemand fragt, wie das Festival war, antwortet er: „Geil.“ Und damit ist eigentlich alles gesagt.
Die Gen Z auf dem Festival
Die Gen Z reist mit Powerbanks an, deren Gesamtkapazität vermutlich ausreicht, um eine Kleinstadt zu versorgen. Noch bevor das erste Konzert beginnt, wurden bereits:
- 17 Stories veröffentlicht
- 4 TikToks aufgenommen
- 32 Selfies gemacht
- 3 Outfit-Wechsel dokumentiert
Der eigentliche Festivalbesuch scheint dabei manchmal eher ein Nebenschauplatz zu sein. Die Hauptveranstaltung findet auf dem Smartphone statt.
Die Bühne? Schön. Aber hast du sie auch gefilmt?
Während Millennials eine Lichtshow anschauen, betrachtet die Gen Z dieselbe Show durch einen sechs Zoll großen Bildschirm. Man könnte meinen, dass jemand, der mehrere hundert Euro für ein Festivalticket bezahlt hat, die Show auch direkt erleben möchte. Offenbar nicht. Die moderne Festivalerfahrung besteht häufig daraus, den gesamten Auftritt zu filmen, um sich das Video später niemals wieder anzusehen.
Der heilige Gral: Das perfekte Reel
Früher musste ein Festival einfach Spaß machen. Heute muss es vor allem gut aussehen.
Die Gen Z sucht:
- die perfekte Perspektive
- den perfekten Filter
- den perfekten Übergang
- den perfekten Song für das Reel
Irgendwann zwischen dem fünften Take und der siebten Story könnte theoretisch sogar eine Band auftreten.

Das Festival als Filmset
Für Millennials ist ein Festival ein Ort. Für die Gen Z ist es häufig eine Kulisse. Die Bühne dient als Hintergrund. Die Musik ist Begleitgeräusch. Der Campingplatz wird zum Influencer-Studio. Und wenn jemand tatsächlich nur tanzt und feiert, ohne dabei sein Handy zu zücken, wird er vermutlich für einen Zeitreisenden gehalten.
Die große Ironie
Noch nie in der Geschichte wurden so viele Erinnerungen festgehalten. Und gleichzeitig scheint es manchmal, als würden weniger Menschen den eigentlichen Moment erleben. Der Millennial kommt mit dreckigen Schuhen, heiserer Stimme und zehn großartigen Geschichten nach Hause. Die Gen Z kommt mit 47 Gigabyte Videomaterial zurück und verbringt die folgende Woche damit, das Festival nachzubearbeiten.
Fazit

Natürlich ist nicht jeder Millennial gleich und nicht jeder Gen-Z-Festivalgänger läuft mit einem Ringlicht über den Campingplatz. Aber wenn man heute über ein Festivalgelände läuft, entsteht manchmal der Eindruck: Die Millennials waren dort, um Erinnerungen zu sammeln.Die Gen Z ist dort, um Beweise dafür zu produzieren. Und während die einen versuchen, den perfekten Moment festzuhalten, genießen die anderen ihn einfach.
Zumindest solange der Biervorrat reicht.

