Vom Toolcase zum FOH-Rucksack – Warum ich mein Setup neu denke (Teil 1)
Jeder, der regelmäßig auf Produktionen unterwegs ist, kennt es: Irgendwann entwickelt sich das eigene Equipment ganz von allein. Neue Erfahrungen bringen neue Ideen mit sich, und plötzlich stellt man fest, dass das bisherige Setup zwar funktioniert – aber vielleicht nicht mehr optimal zum eigenen Workflow passt.
Genau so ging es mir vor Kurzem auf einem Festival.
Der Moment, der den Stein ins Rollen brachte
Das Toolcase war gepackt, die Produktion konnte beginnen und der Weg führte Richtung FOH. Das Problem? Zwischen Parkplatz und Arbeitsplatz lagen nicht nur einige hundert Meter, sondern auch unwegsames Gelände, Schotterwege und gefühlt unendlich viele Treppen. Während ich mein Toolcase hinter mir herzog, stellte ich mir irgendwann eine einfache Frage:

Warum schleppe ich eigentlich mein komplettes Toolcase bis zum FOH?
Nicht, weil das Toolcase schlecht wäre – ganz im Gegenteil. Es erfüllt seit Jahren zuverlässig seinen Zweck. Aber an diesem Tag wurde mir bewusst, dass ich eigentlich zwei völlig unterschiedliche Aufgaben mit einem einzigen System abdecken wollte.
Ein Toolcase ist eine mobile Werkstatt

Mein Toolcase wird auch in Zukunft seinen festen Platz haben. Gerade beim Aufbau oder wenn ich aktiv in die Produktion eingebunden bin, möchte ich auf nichts verzichten. Werkzeug, Adapter, Ersatzmaterial oder Messgeräte – all das gehört für mich in ein ordentlich ausgestattetes Toolcase. Denn genau dafür ist es gemacht. Es ist meine mobile Werkstatt. Aber während einer Show verändert sich der Arbeitsalltag. Am FOH brauche ich keine komplette Werkstatt. Ich brauche die Dinge, mit denen ich schnell reagieren kann.
Weniger schleppen heißt nicht weniger vorbereitet sein
Mir ging es nie darum, weniger Material mitzunehmen. Im Gegenteil. Ich möchte weiterhin auf alles vorbereitet sein. Der Unterschied ist lediglich wo sich die Ausrüstung befindet. Warum sollte ich mehrere Kilogramm Werkzeug über das Festivalgelände tragen, wenn ich während der Show wahrscheinlich nur einen Bruchteil davon benötige? Genau an diesem Punkt entstand der Gedanke, mein Equipment aufzuteilen. Nicht weniger Ausrüstung. Sondern besser organisiert.
Zwei Aufgaben – zwei Systeme
Je länger ich darüber nachdachte, desto logischer wurde die Lösung.
Das Toolcase
Das Toolcase bleibt dort, wo seine Stärken liegen:
Aufbau
Umbauten
Reparaturen
Fehlersuche
Produktionen, bei denen ich aktiv mit aufbaue
Hier darf ruhig alles seinen Platz haben. Lieber einmal zu viel Werkzeug dabei als einmal zu wenig.

Der FOH-Rucksack
Der Rucksack verfolgt dagegen ein völlig anderes Ziel. Er soll kein zweites Toolcase werden. Er soll mich während der Show unterstützen. Darin sollen nur die Dinge landen, die ich als Lichtoperator oder Lichtdesigner wirklich griffbereit haben möchte:
- Netzwerk
- DMX-Diagnose
- Backup-Medien
- Adapter
- persönliche Essentials
- Laptop und Dokumente
Kurz gesagt:
Alles, was mir den Weg zurück zum Auto erspart.
Warum ausgerechnet ein Kamerarucksack?
Als ich begann, nach passenden Rucksäcken zu suchen, stellte ich schnell fest, dass klassische Techniker-Rucksäcke gar nicht das waren, was ich gesucht habe. Eigentlich haben Fotografen ein sehr ähnliches Problem wie wir Veranstaltungstechniker. Sie transportieren empfindliche Technik, möchten schnell darauf zugreifen können und brauchen eine sinnvolle Organisation. Genau deshalb fiel mein Blick immer häufiger auf Kamerarucksäcke. Gepolsterte Fächer, flexible Trennwände, ein separates Laptopfach und ausreichend Platz für persönliche Dinge – eigentlich genau das, was ich gesucht habe. Nur eben nicht für Kameras. Sondern für mein mobiles FOH-Setup.
Der Plan steht – jetzt beginnt die Umsetzung
Damit war die Idee geboren. Das Toolcase bleibt die mobile Werkstatt. Der neue Rucksack wird mein mobiles Operator-Kit. Beide Systeme ergänzen sich, anstatt miteinander zu konkurrieren. Jetzt stellt sich allerdings die nächste Frage:
Was gehört überhaupt in so einen FOH-Rucksack?
Genau darum wird es im zweiten Teil dieser Serie gehen. Gemeinsam entwickeln wir ein durchdachtes Operator-Kit – mit dem Ziel, auf Produktionen schneller, organisierter und vor allem entspannter arbeiten zu können. Ich bin gespannt, wie sich dieses Konzept in der Praxis bewährt. Die Festivalsaison wird zeigen, ob sich die Idee genauso gut anfühlt, wie sie sich momentan in meinem Kopf anhört.

