„Du arbeitest anders.“ – Warum mich Feuerwehr, Festivals und Netzwerke geprägt haben

„Du arbeitest anders.“

Diesen Satz hat gestern ein Arbeitskollege zu mir gesagt.Im ersten Moment habe ich nur geschmunzelt. Erst auf dem Heimweg fing ich an, darüber nachzudenken.

Was meinte er eigentlich damit?

Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr wurde mir klar, dass er wahrscheinlich etwas angesprochen hat, das mir selbst nie bewusst aufgefallen ist.

Drei Welten – ein gemeinsamer Nenner

Ich war viele Jahre bei der Feuerwehr. Seit dem Jahr 2000 bin ich in der Veranstaltungstechnik unterwegs. Und hauptberuflich sorge ich dafür, dass Netzwerke möglichst genau das tun, was sie sollen. Spoiler: Sie halten sich nicht immer daran. Auf den ersten Blick haben diese drei Bereiche nicht besonders viel gemeinsam. Schaut man etwas genauer hin, funktionieren sie aber erstaunlich ähnlich. Denn egal ob Einsatz, Festival oder Netzwerkausfall

– Hektik hat noch kein einziges Problem gelöst.

Feuerwehr: Ruhe kann man lernen

Bei der Feuerwehr lernt man ziemlich schnell, dass Aktionismus selten eine gute Idee ist. Man verschafft sich zuerst einen Überblick. Man spricht miteinander. Man setzt Prioritäten. Und dann wird gehandelt. Natürlich schlägt das Herz schneller. Das gehört dazu. Aber genau deshalb gibt es Abläufe und Strukturen. Wer kopflos loslegt, macht aus einem Problem manchmal zwei.

Festivalalltag: Murphy hat immer ein Ticket

Wer regelmäßig auf Veranstaltungen arbeitet, kennt Murphy persönlich. Alles ist vorbereitet. Der Zeitplan passt. Der Kaffee ist noch warm. Und genau in diesem Moment entscheidet irgendein Gerät, heute lieber nicht mitmachen zu wollen.

Eine Lampe bleibt dunkel.

Eine Netzwerkverbindung zwischen FOH und Bühne verabschiedet sich.

Der Wetterbericht entwickelt plötzlich eine eigene Persönlichkeit.

Oder genau das Ersatzteil liegt… natürlich im Auto. Am anderen Ende des Festivalgeländes. Von außen sieht das oft nach Chaos aus. Für viele Techniker ist es dagegen einfach Dienstag. Man lernt mit der Zeit, Probleme nicht zu dramatisieren. Man löst sie einfach. Eins nach dem anderen.

Netzwerke haben keinen Respekt vor Feierabend

Im Hauptberuf kümmere ich mich um Netzwerke. Und die haben eine bemerkenswerte Eigenschaft: Sie interessieren sich überhaupt nicht dafür, ob gerade Montagmorgen ist oder Freitagnachmittag. Ein Netzwerkausfall wartet nicht, bis der Kaffee leer ist. Und er verschwindet auch nicht, wenn man laut genug auf den Bildschirm schaut. Also bleibt nur das, was ich über viele Jahre gelernt habe:

  • Analysieren.
  • Priorisieren.
  • Lösen.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auf, wie ähnlich sich Feuerwehr, Veranstaltungstechnik und IT eigentlich sind.

Hat mich das stressresistenter gemacht?

Ich glaube schon. Nicht, weil ich keinen Stress empfinde. Den gibt es selbstverständlich. Der Unterschied ist eher, dass mein Kopf mittlerweile automatisch in den Lösungsmodus schaltet.

  • Was ist passiert?
  • Was hat Priorität?
  • Wo fange ich an?

Während andere vielleicht zuerst das Problem sehen, suche ich meistens schon nach der Ursache. Das ist nichts Besonderes. Das ist einfach das Ergebnis vieler Jahre Erfahrung.

Auch die besten Akkus müssen irgendwann ans Ladegerät

Wer jetzt denkt, ich wäre völlig stressresistent, den muss ich leider enttäuschen. Nach mehreren Wochen voller Projekte, Produktionen oder Störungen bin ich genauso platt wie jeder andere. Während dieser Zeit funktioniere ich einfach. Erst wenn wieder Ruhe einkehrt, merke ich oft, wie viel Energie die letzten Wochen eigentlich gekostet haben. Nach ein oder zwei freien Tagen schaltet mein Kopf wieder einen Gang herunter. Nach drei oder vier Tagen meldet sich dann meistens auch mein Schlafrhythmus zurück und erinnert mich daran, dass Ausschlafen eigentlich eine ziemlich gute Erfindung ist.

Mittlerweile sehe ich das nicht mehr als Schwäche, sondern als ganz normale Wartung.

Selbst ein gut gepflegtes Netzwerk braucht hin und wieder ein Wartungsfenster. Warum sollte das beim Menschen anders sein?

Vielleicht meinte mein Kollege genau das

Vielleicht arbeite ich tatsächlich anders.

Nicht besser.

Nicht schlechter.

Einfach anders.

Feuerwehr, Veranstaltungstechnik und IT haben mich über viele Jahre geprägt. Ich habe gelernt, erst zu verstehen, dann zu priorisieren und erst danach zu handeln. Mir selbst ist das nie besonders aufgefallen. Bis zu diesem einen Satz:

„Du arbeitest anders.“

Vielleicht hatte er recht. Vielleicht sind es genau die Erfahrungen, die wir über Jahre sammeln, die unsere Arbeitsweise formen – ohne dass wir es selbst überhaupt bemerken. Und wenn ich mir etwas aus all diesen Jahren mitgenommen habe, dann vermutlich genau das: Ruhe bedeutet nicht, dass nichts passiert. Ruhe bedeutet, auch dann noch einen klaren Kopf zu behalten, wenn um einen herum gerade alles etwas lauter wird.

„Du arbeitest anders.“ – Warum mich Feuerwehr, Festivals und Netzwerke geprägt haben