Jeder Freelancer in der Veranstaltungsbranche kennt sie.
Die Liste, die nirgendwo geschrieben steht.
Die Liste, über die man höchstens beim Feierabendbier spricht.
Die Liste der Firmen, Produktionen und Dienstleister, für die man kein zweites Mal arbeiten möchte.
Die persönliche Blacklist.
Dabei geht es selten um unsympathische Projektleiter, stressige Kunden oder lange Arbeitstage. Wer in der Eventbranche arbeitet, weiß, dass Stress, Zeitdruck und spontane Änderungen zum Alltag gehören. Nein, die Firmen, die auf der Blacklist landen, haben meist etwas anderes gemeinsam: Sie gehen fahrlässig mit Sicherheit um.
Der Tag, an dem das Vertrauen verloren geht
Als Lichtoperator kommt man häufig erst auf die Baustelle, wenn bereits aufgebaut wird oder große Teile der Produktion stehen. Genau dann fällt oft auf, wie gearbeitet wird.
Fehlende Safetys.
Fragwürdige Traversenkonstruktionen.
Überlastete Strukturen.
Improvisierte Stromverteilungen.
Defektes Material, das trotzdem verwendet wird.
Noch schlimmer als die eigentlichen Mängel ist oft die Reaktion darauf.
Wer auf Sicherheitsprobleme hinweist, erwartet keine Dankesrede. Aber man erwartet Professionalität.
Wenn die Antwort lautet: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ oder „Das hält schon.“ oder „Dafür haben wir jetzt keine Zeit.“ dann ist das oft der Moment, in dem eine Firma auf der persönlichen Blacklist landet.
Fehler passieren – Gleichgültigkeit nicht
Niemand arbeitet fehlerfrei.
Nicht der Rigger.
Nicht der Lichttechniker.
Nicht der Operator.
Nicht der Projektleiter.
Ein Fehler macht noch keine schlechte Firma. Entscheidend ist die Reaktion. Professionelle Unternehmen nehmen Hinweise ernst, prüfen die Situation und beheben Probleme. Unprofessionelle Unternehmen diskutieren, relativieren oder ignorieren Risiken. Genau dort beginnt für viele Freelancer die Grenze.

Du vermietest mehr als deine Arbeitszeit
Viele Freelancer unterschätzen ihren eigenen Wert. Wer als Lichtoperator an einer Produktion beteiligt ist, bringt nicht nur Finger auf die Go-Taste einer Konsole.
Er bringt Erfahrung.
Fachwissen.
Verantwortungsbewusstsein.
Und vor allem seinen Namen.
Kommt es zu einem schweren Zwischenfall, interessiert später niemanden, wer die Traverse aufgebaut hat und wer nur das Licht gefahren hat. Die Frage lautet häufig: „Wer war dabei?“ Deshalb sollte jeder Freelancer genau überlegen, mit wem er seinen Namen verbindet.
Die teuerste Gage ist manchmal die, die man annimmt
Gerade am Anfang der Selbstständigkeit fällt es schwer, Aufträge abzulehnen.
Der Kalender muss gefüllt werden.
Rechnungen müssen bezahlt werden.
Man möchte sich einen Namen machen.
Doch irgendwann erkennt man: Nicht jeder Auftrag ist gutes Geschäft. Eine hohe Tagesgage verliert ihren Reiz, wenn man den gesamten Produktionstag damit verbringt, sich über Sicherheitsmängel Sorgen zu machen. Oder schlimmer: Wenn man am Abend hofft, dass einfach nichts passiert.
Warum Blacklists wichtig sind
Eine persönliche Blacklist ist kein Instrument für Rache oder verletzte Eitelkeiten. Sie ist ein Werkzeug zur Qualitätssicherung. Sie erinnert daran, welche Unternehmen Sicherheit ernst nehmen und welche nicht. Sie hilft dabei, zukünftige Entscheidungen zu treffen. Und sie schützt die eigene Reputation. Denn am Ende ist eine Veranstaltung immer Teamarbeit. Wer dauerhaft mit Unternehmen zusammenarbeitet, die fahrlässig handeln, wird irgendwann Teil dieses Images – ob er möchte oder nicht.
Mein wichtigster Karriere-Tipp

Lerne nicht nur, für wen du arbeiten möchtest.
Lerne auch, für wen du niemals wieder arbeiten möchtest.
Denn die besten Kunden erkennt man oft nicht an der Größe ihrer Bühne, der Anzahl ihrer Moving Lights oder der Höhe ihrer Gage. Man erkennt sie daran, wie sie reagieren, wenn jemand ein Sicherheitsproblem anspricht. Und genau in diesem Moment entscheidet sich häufig, ob sie in deinem Telefonbuch gespeichert bleiben – oder auf deiner persönlichen Blacklist landen.

